MOE-B 10: Rafting im Tara Canyon (09.06.2011)

An unserem zweiten Tag im Durmitor Nationalpark erwartete uns ein besonderes Highlight. Wir haben eine eintägige Raftingtour durch den zweittiefsten Canyon der Welt (nach dem Grand-Canyon) gebucht. Die Tagestour kostete 110€ pro Person. Davon gingen aber 60€ an die Nationalparkverwaltung als Steuer und Versicherung, um den Canyon vorm Massentourismus zu schützen. Der Zugang mit dem Boot ist der einzig mögliche, da es auf über 90km nur 4 Zugänge mit dem Auto gibt. Da der Canyon an seiner tiefsten Stelle 1.300m tief ist, dauert die Fahrt mit dem Auto über Schotterpisten dementsprechend lange. Unsere Tour war 40km lang und sollte laut der Vermittlerin bei strahlendem Sonnenschein bis zum Abend dauern.

Als wir am nächsten morgen aufgestanden sind, sollte sich schon der erste Teil als unwahr herauskristallisieren, da es über Nacht ein Unwetter gab. Wir haben davon zwar nichts mitbekommen, da wir total fertig waren, dafür haben uns unsere Mitfahrer davon berichten. Das war zum einen ein sächsisch-sprechendes Ehepaar in den später 50ern, die im Wohnmobil unterwegs waren und wo der Frau nichts besseres einfiel, als mir in die Haare zu fassen, weil sie ja so schön rot waren… Zum anderen hatten wir ein junges englisch-australisches Paar dabei, die sich nach 9 Jahren Arbeit eine Auszeit genommen haben und jetzt auf Europareise waren und im Herbst noch nach Südamerika wollten.

Wir wurden zu sechst vom Raftingunternehmen abgeholt und zum Raftingcamp gefahren, wo wir eingekleidet wurden und noch vier weitere Mitfahrer trafen. So saßen wir dann also am Anfang zu elft im Boot. Da es über Nacht geregnet hatte, führter der Fluss viel Wasser und war entsprechend schnell. Dies machte die Fahrt allerdings auch zu einem Erlebnis, da man in die Stromschnellen eintauchte und vom 7° kalten Wasser gekühlt wurde.
Unsere “Reise” begann mit einer Art Taufe. Bevor wir richtig im Boot saßen, gab es ein Unwetter und wir waren das erste mal so richtig nass. Da schütze auch der Neoprenanzug nicht. Trotzdem sollten sich die Strapazen lohnen, da die Schlucht einfach unbeschreiblich natürlich ist. Man sieht diverse Wasserfälle, die in den Canyon rauschen, unberührte Natur – einen Urwald an den Hängen – und das klare Wasser in dem man mit Glück riesige Fische entdecken kann.
Der Rafter sprach zwar kein englisch, berichtete uns aber trotzdem, dass er vor 2 Jahren schon mal einen Bärenmutter mit ihrem jungen am Fluss gesehen hat. Die Reiseanbieterin versprach uns Adler. Das hat nicht ganz geklappt, da das Wetter zu schlecht war. Trotzdem haben wir eine Fledermaus gesehen. Nach 2 Stunden erreichten wir eine Raststation und 4 Gäste verließen uns, da sie nur die kurze Tour gebucht hatten. Diese waren anscheinend Russen und stürzten sich zum Abschluss des Tages in den Fluss. Die Farbe lud ja auch zum Baden ein – das einzige Problem war die Temperatur. Der Tarafluss wird von Gletschern gespeist und hat das ganze Jahr über eine angenehme Temperatur von 7°. Trotzdem verzogen die vier Personen bei ihren Badeversuchen keine Miene. Wir könnten nur ungläubig mit dem Kopf schütteln.

Als die vier das Boot verlassen haben, wurde mir die Ehre zu Teil ganz vorne zu sitzen. Das bedeutete natürlich, dass man beim Eintauchen in die Stromschnellen eine volle Breitseite kalten Wassers abbekam. Mit der Zeit haben wir auch gemerkt, dass so ein Raftingausflug ziemlich anstrengend ist, da die Gesäßmuskeln stark beansprucht werden. Das Boot ist nicht gepolstert auch wenn es aus Luft besteht. So waren wir froh, als wir gegen 15:30 den tiefsten Punkt des Canyons erreichten. Dort stiegen wir aus und konnten unsere nass-kalten Sachen (es war Neoprenschutzkleidung) wechseln. Danach setzten wir uns in einen 20 Jahre alten T5 Bus von VW und erklommen den ca. 1300m hohen Berg über Schotterserpentinen. Das Auto hatte keinen Allradantrieb, hat uns trotzdem sicher zurückgebracht. Der Fahrer kontrollierte die Bodenfreiheit mit einem Blick aus dem Fenster und manövrierte scheinbar mühelos über die Piste. Nach ca. 60 Minuten kamen wir oben an und konnten noch ein paar Fotos vom Canyon machen. Da merkte man erst wie tief er ist.
Insgesamt war dieser Tag sehr anstrengend, aber wird trotzdem immer in meiner Erinnerung bleiben, da ich wahrscheinlich nicht so schnell wieder hier herkommen werde. Wer sich für unberührte und wilde Natur interessiert, sollte unbedingt mal in den Durmitor Nationalpark und zum Tara Canyon fahren. Er wird hier auf seine Kosten kommen. Die Anreise ist allerdings sowohl von Norden als auch von Süden ziemlich beschwerlich.


Die Tarabrücke


hübsche und figurbetonte Schutzkleidung ;)


Wasserfall; man achte auf den Helm; es gab keinen passenden Raftinghelm für mich ;)


unser Boot


Kristin in voller Montur


traumhaft, die Kamera schafft es nicht bis zum Horizont scharf zu stellen –> zu tiefe Schlucht ;)


leuchtet die Stirn? ;)


von dort unten sind wir hoch gefahren!

3 Antworten auf diesen Artikel.

  1. Veröffentlicht von Niels am Juni 16, 2011 um 12:12 pm

    20 Jahre alter T5 . . . der Guide ist also vor 20 Jahren mit seinem T3 in die Zukunft gereist, hat sich einen T5 gekauft, fix die Zeitmaschine auf dem T5 installiert, wieder in die Vergangenheit geflutscht und konnte dort mächtig pranzen ;-)

    Kommentar

    • Veröffentlicht von kaigol am Juni 16, 2011 um 12:49 pm

      Habe keine Ahnung und mich auf die Aussage eines Mitreisenden verlassen. War halt ein VW Transporter, der sicher mal in Deutschland geklaut wurde und jetzt dort seinen Dienst tut. Robuste Technik, die auch mal 2km im ersten Gang durchhält :)

      Kommentar

  2. [...] mich war dies der zweite Besuch eines derartig tiefen Canyons in diesem Jahr. Während der Tara Canyon von einem Urwald umschlossen war und sich für den Menschen als so gut wie nicht zugänglich [...]

    Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Log Out / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Log Out / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Log Out / Ändern )

Verbinde mit %s

Follow

Get every new post delivered to your Inbox.