(Der Film Into the Wild spielt am Colorado River)
Nachdem Niels den gestrigen Tag kurz und bündig zusammengefasst hat, möchte ich in meinem heutigen Bericht daran anschließen und über unseren Tag am Colorado River berichten. Wir haben heute, wie schon in den letzten Tagen Erosionsfolgen bewundern dürfen. Während im Arches Nationalpark Steinbögen entstanden sind und im Monument Valley indianische Felsformationen in der Wüste zu bestaunen waren, haben wir heute den Grand Canyon besucht, der durch den Colorado River geschaffen wurde. Dieser hat sich über einen Kilometer tief in den Fels eingegraben.
Für mich war dies der zweite Besuch eines derartig tiefen Canyons in diesem Jahr. Während der Tara Canyon von einem Urwald umschlossen war und sich für den Menschen als so gut wie nicht zugänglich erwies, wurde am Grand Canyon das Gegenteil deutlich. Diese Schlucht ist von beiden Seiten mit dem Auto über gut asphaltierte Straßen erreichbar. Obwohl der Canyon in einem Nationalpark liegt, ist er für den Autoverkehr und damit den Massentourismus gut erschlossen. Es gibt moderne und gigantisch große Parkplätze, die darauf warten, die amerikanischen Benzinschleudern und ihre korpulenten Fahrer zu empfangen. Diese werden dann über glatt betonierte Wege zum Rand des Canyons geführt. Zum Glück bleibt dieser selbst unberührt. Es besteht zwar die Möglichkeit ins Tal zu wandern; dieser Weg erwies sich in der Vergangenheit aber mehrmals als Todesfalle, weil die Wanderer die Hitze unterschätzt hatten. Der Rand des Canyons liegt auf ca. 2200 Meter und der Colorado River auf 1.200 Meter. Wir besuchten ihn heute an einem kühlen Tag bei 20-22 Grad. Am Canyon gibt es im Gegensatz zum Tara Canyon keine Pflanzen. Das heißt eine Wanderung findet ohne Schatten statt. Bei 1.000 Meter Höhenunterschied ist mit entsprechenden Temperaturunterschieden zu rechnen. Daher verwundert es nicht, wenn es immer wieder Todesopfer bei Wanderungen in das Tal gibt.
Da unser Zeitplan aber sehr strikt ist (
), haben wir darauf verzichtet und nur ein paar wagemutige Fotos am Rand geschossen. Obwohl Papa wieder mit dem schlimmsten gerechnet hatte, muss sich niemand sorgen machen, da wir alle gesund zurückgekehrt sind.
Auf dem Heimweg sind wir durch einen Sandsturm gefahren. Dieses Naturschauspiel war sehr beeindruckend. Aus der Ferne sahen wir am Horizont Luftwirbel in denen der Sand nach oben transportiert wurde. Diese wurden von Blitzen umrahmt. Als wir in den Sturm hinein gefahren sind, verfärbte sich der Himmel rot, weil ein Großteil des Sandes rot ist. Die Bilder davon sind nicht so beeindruckend wie die Realität. Durch den Regen hat die Natur Kraft getankt und die Pflanzen waren erstaunlich grün. Dies konnten wir an einer Schleife des Colorado Rivers beobachten. Diese besuchten wir als letztes und waren von den verschiedenen Farben sehr beeindruckt. Der Fluss war grün und dieses schwächte sich am Rand immer mehr ab und wurde schließlich zu Gelb welches am Ende zu Rot verschmolz. An diesem Punkt war die Felswand erreicht. Am Rand des Felsens befand sich nicht ein Gitter. So konnte man ohne weiteres bis zum Rand gehen. Es stürzte dabei allerdings niemand ab.
Zum Ende möchte ich noch auf zwei Dinge hinweisen, die uns aufgefallen sind:
Ein Großteil der Touristen scheint in diesem Gebiet eine Leistungsschau der Foto- und Filmindustrie durchzuführen. Kleine Apperate scheinen nicht zu genügen. Wer in die USA reist, hat auch einen große Kamera dabei haben zu müssen, um der Nachwelt von dieser Reise berichten zu können. Dies wirkt auf mich sehr belustigend.
Noch lustiger sind aber die verschiedenen Nationalitäten. Wir befinden uns im Moment in einer der beliebtesten Ecken der USA. Dementsprechend sind hier viele internationale Gäste anzutreffen. Erstaunlicherweise scheinen sich aber keine Deutschen darunter zu befinden, denn man hört so gut wie kein Wort Deutsch, dafür umso mehr Französisch und Spanisch. Anscheinend scheint es unseren Landsleuten peinlich zu sein, auf ihresgleichen zu treffen. Ich kann dazu nur einen Hinweis geben. Wer alleine sein will, sollte nicht in die USA reisen, sondern ungewöhnlicher Reiseziele wie Mittelosteuropa bzw. Zentralasien wählen. Da kann man sicher sein, nicht auf Hunderte andere Deutsche zu treffen.
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